[Aufreger] Ausbeutung von Praktikanten in Verlagen

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Ich war gerade mal wieder auf Facebook unterwegs und sah auf der Seite des Hoffmann & Campe Verlags eine Anzeige, dass die einen Praktikanten für den Pressebereich suchen. Sicher, für Studenten ist es wichtig Praktika zu absolvieren, einige sind sogar vorgeschrieben und genau das nutzen einige Verlage schamlos aus. Anders kann ich es nicht nennen. Denn du sollst texten können, ein Organisationstalent mitbringen und natürlich deine Arbeitsleistung und deine Ideen einbringen. Was dich dafür erwartet? Na viele Einblicke in Arbeitsabläufe eines großen Hardcoververlages.

Fehlt da nicht was?

Sicher ist euch schon aufgefallen das da noch, was fehlt. Normalerweise bekommt man Geld für seine Arbeitsleistung. In der Verlagsbranche ist, dass etwas anders. Das macht man ja schließlich alles aus liebe zu den Büchern und weil man ja sein Studium abschließen möchte. Hoffmann & Campe schrieb dazu so schön „Ein Honorar können wir leider nicht bieten, dafür aber viele Einblicke…“ . Äh was? Falls ihr glaubt, euch verlesen zu haben, nein es gibt keine Vergütung. Vielmehr soll der Praktikant 8 Stunden täglich arbeiten, natürlich kann er nicht die Leistung bringen wie ein langjähriger Mitarbeiter, aber ist dennoch nach ein paar Tagen sicher eine Hilfe. Und wenn es nur ist, dass er seine Ideen einbringt und neue Werbestrategien entwickelt und so für höhere Umsätze sorgt.

Wovon soll der Praktikant in der Zeit leben?

Das frage ich mich auch. Im Fall Hoffmann & Campe wird der Praktikant für 2-3 Monate gesucht. Das heißt, der Student muss ein so großes finanzielles Polster haben um Miete, Mietnebenkosten, Telefon- und Internetkosten, Fahrkosten zum Verlag, Essen und Getränke und was man sonst so braucht zahlen zu können. Oder er muss nachts für seinen Unterhalt nochmals 8 Stunden arbeiten gehen, um sich das Praktikum leisten zu können.

Hoffmann & Campe ein Einzelfall?

Nein, leider ganz und gar nicht. Auch der Dumont Verlag hat auf Facebook im November 2017 eine Anzeige veröffentlicht. Sie schrieben in dem Post „Ab Januar vergeben wir wieder einen Platz für ein dreimonatiges, unvergütetes Praktikum…“. Mir ist damals direkt das Wort unvergütet ins Auge gesprungen und ich stellte mir damals schon die Frage warum Verlage nicht zumindest eine kleine Vergütung zahlen. Damit zumindest ein großer Teil der privaten kosten gedeckt sind.  Auch der Verbrecher Verlag reiht sich da ein. Ich frage mich ehrlich gesagt auch wie das mit dem gesetzlichen Mindestlohn in Einklang zu bringen ist.

Aber…

Es gibt auch positive Beispiele. Z.b. Random House, diese bieten 600€ netto ihren Praktikanten. Davon sind vermutlich nicht alle kosten abgedeckt, aber doch schon ein ganzer Teil. Carlsen biete seinen Praktikanten 800€. Ob Brutto oder Netto steht nicht dabei.

Was ich mir wünsche

Das diese Ausbeutung aufhört. Leider wird es immer wieder Studenten geben die diese Angebote annehmen werden. Meiner Meinung gehören diese Verlage abgestraft. Als Leser mag ich keine Bücher mehr aus diesen Verlagen lesen, denn es ist nichts anderes als Ausbeutung.

3 Comments

  1. Nerdahoi

    10. März 2018 at 18:40

    Hallo Christina,
    leider ist das nicht nur bei Verlagen so, sondern auch in vielen anderen Branchen. Als ich vor etwa zwei Jahren einen Weg in das Berufsleben gesucht habe, bin ich auch immer wieder über derartige Angebote gestolpert. Meistens wird die Vergütung in der Ausschreibung gar nicht erst gennant. Aber sobald in einem Ausschreiben steht, dass das Praktikum „maximal 3 Monate“ dauern oder „nur Rahmen eines Pflichtpraktikums“ bzw. „im Rahmen des Studiums“ erfüllt werden darf, dann kann man sich eigentlich sicher sein, dass es keine oder kaum Vergütung gibt. Vor ein paar Jahren wurde ja der Mindestlohn auch für Praktikanten eingeführt, aber der gilt unter den beiden genannten Bedingungen leider nicht. Ich kann deinen Unmut verstehen und habe mich auch selber schon oft genug darüber geärgert, aber auf eine Abstrafung können wir glaube ich lange warten…

    Liebe Grüße
    Anja

  2. Eva

    11. März 2018 at 18:02

    Ich habe meine Praktika nur im Kulturbereich gemacht – Geld gab es da nie…

    Ganz liebe Grüße (auch aus dem Norden :))

  3. Mikka

    18. März 2018 at 19:52

    Huhu!

    Das finde ich auch unmöglich… Ein kleines Gehalt müsste da drin sein, sonst kann sich, wie du schon ansprichst, wirklich nicht mehr jeder leisten, ein Praktikum zu machen, und das ist absurd. €600 kann da schon einen riesigen Unterschied machen, als Student/in lebt man ja meist eher bescheiden.

    LG,
    Mikka
    Mikka liest von A bis Z

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